Get More Traffic: Autoverkehr neu gedacht

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In unserer dreiteiligen Serie stellen wir die Mobilitätskonzepte der Zukunft vor. In dessen Zentrum steht ein Erfinder und Großunternehmer, der mit seinem Namen wie kein zweiter Sinnbild des innovativen Wandels geworden ist: Elon Musk. Der gebürtige Südafrikaner ist Gründer des führenden Weltraumunternehmens SpaceX. Außerdem ist er Chef des High-Tech-Autoherstellers Tesla und des Tunnelbauers Boring Company. Wie sieht die Mobilität von morgen aus? Das erfahren Sie in unserer Serie.

Get More Traffic: Autoverkehr neu gedacht

Elon Musks Tunnelbau-Unternehmen The Boring Company soll Autos in dichten Innenstädten unterirdisch befördern – auf einer elektrischen Plattform mit 200km/h. Was bringt das?

Unterirdisches Reisen – immer wieder ein innovativer Ansatz, um einem überhandnehmenden Verkehrsaufkommen effektiv zu begegnen. So zum Beispiel, als im boomenden London des 19. Jahrhunderts die Entfernungen zwischen Fabriken und Wohneinheiten immer größer wurden und die urbane Bebauung keine weiteren Oberland-Eisenbahntrassen mehr erlaubte. Da erschuf die Stadtverwaltung 1863 die erste U-Bahn der Welt – den Metropolitan Railway.

An der Dynamik der rasanten Urbanisierung weltweit hat sich seitdem wenig geändert. Großstädte stoßen erneut an ihre logistischen Grenzen und hinterlassen eine genervte Bevölkerung, die stundenlang in engen Bahnwaggons oder Massenstaus wertvolle Zeit opfert. Besonders schlimm ist der Pkw-Stau im amerikanischen Los Angeles. Ein durchschnittlicher Verkehrsteilnehmer stand 2017 rund 102 Stunden im Stau, womit die kalifornische Metropole international den ersten Platz in der Stau-Statistik belegt, gefolgt von New York und Moskau mit je 91 Stunden.

Die desaströse Stau-Bilanz von Los Angeles schien auch den US-Erfinder Elon Musk zu provozieren. Er selbst wohnt im Nobel-Vorort Bel Air und sah es offenbar nicht ein, so viel Zeit auf dem Weg in die Innenstadt zu vergeuden. Daher kam ihm die Idee, mit dem Graben von Tunneln Abhilfe zu schaffen.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Nun wirft sich hier die Frage auf, was daran so neu und innovativ sein soll. Warum richtet die Stadt nicht einfach weitere U-Bahn-Linien ein? Oder wie wäre es mit klassischen Autotunneln? Nun, Letzteres wäre außerordentlich teuer und aufwendig, da beim Bau umfangreiche Luftabzugssysteme für die Auto-Abgase installiert werden müssen. Zudem sind Brandschutzräume, Notrufstellen- und Ausgänge vonnöten, welche die Sicherheit im Tunnel garantieren müssen. Außerdem ist die Einbindung ins reguläre Verkehrssystem teuer und an vielen Stellen in der dicht bebauten Stadt gar nicht machbar. In die Höhe zu bauen wird auch schwierig wegen der Luftverschmutzung, der Skyline und den Auflagen der Stadt. Eine U-Bahn wiederum ist ein öffentliches Verkehrsmittel und liefert daher keine Sofortlösung für das hohe Aufkommen an Autofahrern. Also was tun?

Rasendes Elektro-Stativ

Um all diese Probleme mit einem Mal zu lösen, brachte Elon Musk seinen völlig neuen Ansatz ins Spiel: Das Fahrzeug soll mittels einer Hebebühne in den Tunnel gehievt werden. Eine solche ist verkehrstechnisch flexibler in der Stadt zu installieren, als ein konventioneller Straßenzugang. Das Auto wird dann maschinell auf einer Plattform befestigt, die bis zu 200km/h auf Schienen erreichen soll – und den Pkw emissionsfrei von A nach B bringt. Dies hat zudem den Vorteil, dass Unfälle zwischen den Verkehrsteilnehmern verhindert werden, denn schließlich wird die ganze Anlage automatisiert betrieben – menschliches Versagen ist damit ausgeschlossen. Daher können wir von der Berlin Panter Group sagen: Das Elektro-Stativ könnte auf jeden Fall eine große Entlastung für überfüllte Großstädte bringen.

Doch ob sich das Konzept schlussendlich bewährt, wird sich in der US-Stadt Chicago zeigen. Diese hat der Boring Company den Zuschlag gegeben und plant demnächst den ersten Tunnel-Bau, der etwa drei Jahre dauern und eine Milliarde US-Dollar kosten soll. Die Finanzierung wird von der Firma selbst übernommen, wofür sie nach Fertigstellung des Großprojekts die zahlungspflichtige Anlage betreiben darf.

Der 500-Dollar-Flammenwerfer

Bislang fiel das Unternehmen allerdings weniger wegen Tunnelbaus, sondern eher wegen spektakulärer PR-Stunts auf. Zum Beispiel war da die Aktion mit dem Verkauf von 20.000 eigens entwickelten Flammenwerfern für 500 US-Dollar pro Stück. Das Gerät ähnelt einem Sturmgewehr und erzeugt eine Flamme von circa einem Meter Länge – wahlweise in gelb oder blau. Skurril war dabei die Produktbeschreibung: Es sei ein überteuerter und völlig unnötiger Flammenwerfer (offizieller Name: “Not a Flamethrower”) – aber er habe das Firmenlogo drauf. Das Logo als Marke scheint es den Käufern tatsächlich angetan zu haben. The Boring Company bedeutet auf Englisch nämlich nicht nur „bohrende Firma“, sondern auch „langweilige Firma”. Dieses unikale Produkt hingegen erscheint nun keinesfalls langweilig, denn reguläre Flammenwerfer sind in Wahrheit viel teurer und sehen zudem nicht so aus wie Sturmgewehre. Vielleicht ist es diese Ambivalenz, welche die Firma so beliebt macht und ihr das Flair einer Serie wie The Big Bang Theory gibt: Nerds, die spannende Dinge tun. Die Flammenwerfer, die sofort ausverkauft waren, sind mittlerweile auf Plattformen wie Ebay hoch im Kurs. Dort bekommt man für 2000 Euro nicht einmal das Gerät – sondern die Bedienungsanleitung.

Was The Boring Company auf jeden Fall geschafft hat, ist die Generierung einer riesigen medialen Aufmerksamkeit – und alleine das macht das Unternehmen so interessant. Doch ob es bei seiner eigentlichen Aufgabe, dem innovativen Tunnelbau, auch wirklich die erhofften Besserungen bringen wird, muss die Firma noch in den kommenden Jahren in Chicago unter Beweis stellen.

 

2018-08-17T09:36:50+00:00