Gelegenheiten nutzen: Vorbörsliche Unternehmensbeteiligungen

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das soll der letzte sowjetische Staatschef, Michail Gorbatschow, kurz vor dem Mauerfall in Berlin gesagt haben. Das entspricht zwar nicht der Wahrheit, dennoch beschreibt dieser Spruch sehr anschaulich eine verpasste Gelegenheit. So auch, wenn ein erfolgreiches Unternehmen vor dem geplanten Börsenstart Anteile vorverkauft und Investoren die Gelegenheit verschlafen. Eine solche vorbörsliche Unternehmensbeteiligung wird als IPO (Initial Public Offering) bezeichnet, was de facto einem Finanzierungsanschub wie bei einer Crowdfunding-Kampagne gleichkommt.

Der 400-Millionen-Dollar-Fehler

Wie sehr das Leben Zuspätkommer bestraft, zeigt die legendäre Geschichte von Facebook-Mitentwickler Joe Green. Zusammen mit Gründer Mark Zuckerberg erschuf er zu Studienzeiten den Facebook-Vorläufer Facematch. Er soll sogar der Ideengeber für die Social-Media-Plattform gewesen sein. Doch Greens Vater sah das kritisch: Der Sohn solle sich lieber auf seinen Abschluss an der Harvard University konzentrieren, statt das Riesen-Projekt zu leiten. Später, als die Plattform Facebook hieß, plante Mark Zuckerberg den Börsenstart und bot seinem Partner Joe Green im Vorfeld Unternehmensanteile zum Kauf für nur ein paar tausend US-Dollar an. Doch dieser lehnte auf Ratschlag seines Vaters ab. So studierte er fleißig weiter und machte seinen Abschluss, während Mark Zuckerberg sein Studium abbrach. Dann kam es: Die Anteile, die Green hätte bekommen können, waren später 400 Millionen US-Dollar wert. Dieses Ereignis wurde später als „$400 million mistake“ in den Medien betitelt.

Chancen-Unternehmen erkennen

Doch nicht alles was glänzt, ist Gold. Die aussichtsreiche Investitions-Gelegenheit, die Joe Green hatte, ist eine absolute Ausnahme in vorbörslichen Unternehmensbeteiligungen. Die meisten Firmen hingegen scheitern schon vor dem Börsenstart oder bringen nicht den erhofften Aktienkursanstieg. Daher handelt es sich hierbei natürlich um eine Risikokapitalanlage. Um echte Renditen zu erzielen, muss der Anleger zunächst Chancen für die mögliche Marktdominanz eines Unternehmens erkennen. Im Falle von Facebook war bereits 2008 die absolute Hegemonie im Social-Media-Bereich ersichtlich. Folgerichtig schoss dann auch der Aktienkurs binnen kürzester Zeit in den Milliardenbereich und das Wagniskapital (Venture Capital) war gut investiert. Gleichwohl ist das auf dem Geschäftsfeld der vorbörslichen Kapitalanlagen nach wie vor eine Seltenheit. Neben scheiternden Unternehmen existieren zahlreiche betrügerische Scheinfirmen, die mit verheißungsvollen Business-Plänen Investoren für ihren IPO zu überzeugen versuchen. Doch nachdem die Millionen im Anteils-Vorverkauf eingesammelt wurden, melden die Drahtzieher der Betrugsmasche plötzlich Konkurs an und tauchen unter. So oder so ähnlich haben zahlreiche getäuschte Anleger ihr Geld verloren. Eine traurige mediale Berühmtheit erlangten dabei die ICO-Abzocken im Netz. Ein ICO (Initial Coin Offering) ist mit dem IPO artverwandt, nur werden hierbei keine Unternehmensanteile vorverkauft, sondern Tokens einer Kryptowährung vor ihrem eigentlichen Start. Die New Yorker Statis Group rechnet laut einer Studie sogar mit einer Anzahl von über 80 Prozent aller ICOs – die nur auf Betrug ausgelegt sind, wie Wallstreet Online berichtet. Daher muss der Anleger aufpassen, ob beim IPO oder ICO. Er darf weder unikale Investitionschancen verpassen, noch Betrügern auf den Leim gehen.

2018-08-17T09:27:46+00:00