Turbulenzen auf dem Ölmarkt: Wie geht es weiter?

Es kommen wieder starke Schwankungen auf den Ölpreis zu. So ist es beispielsweise schlecht bestellt um das ölreichste Land der Erde: Venezuela. Mit 47 Milliarden Tonnen hat der Staat die größten Ölreserven der Welt und muss laut IWF aufgrund seiner katastrophalen Wirtschaftskrise demnächst mit einer Inflation von über einer Million Prozent rechnen. Zudem soll die Ölfördermenge seit 2013 wegen maroder Fördertechnik, Korruption und Misswirtschaft um 16 Prozent gesunken sein.

Doch den größten Einfluss auf den Ölpreis dürften die neuen, amerikanischen Sanktionsdrohungen gegen den Iran darstellen. Seit die USA das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt hat, droht US-Präsident Donald Trump mit der Wiedereinführung des amerikanischen Öl-Embargos. Der Iran droht im Gegenzug mit der militärischen Blockade der Meerenge von Hormuz, was die Welt vom größten Ölfördergebiet des Planeten, dem Persischen Golf, abschneiden würde. Sollte dies eintreffen, dürfte der Preis für Rohöl WTI von gegenwärtig 68 US-Dollar pro Barrel auf weit über 100 US-Dollar schießen.

OPEC und Ölpreis

Kaum ein Rohstoff wird in seinem Börsenwert von politischen Ereignissen so beeinflusst wie Rohöl. Das ist kein Wunder, denn der internationale Ölhandel ist stark monopolisiert. Die größten Ölförderer der Welt stimmen sich in der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) über die Fördermengen und damit den Ölpreis ab – darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Iran und Venezuela. Die USA und Russland hingegen gehören zwar nicht der OPEC an, verhandeln als Ölgiganten aber trotzdem mit den OPEC-Staaten. Diese Absprachen dienen dazu, die Ölfördermengen jährlich an den weltweit steigenden Bedarf anzupassen und sicherzustellen, dass möglichst kein Staat die jeweils vereinbarte Fördermenge überschreitet. Damit wird der Ölpreis stabil gehalten.

Ölpreis-Absturz 2016

Dass diese Stabilität immer wieder für politische Ziele geopfert wird, zeigt nicht nur die jüngste Eskalation bei der Aufkündigung des amerikanisch-iranischen Atomabkommens durch Donald Trump. Denn wenige Jahre zuvor erlebten wir einen heftigen Absturz des Ölpreises – und zwar wegen des Abschlusses eben jenes Atomabkommens unter der Obama-Administration. Im Zuge dessen beschlossen USA und EU am 02. April 2015 die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran und damit die Auflösung des bis dahin geltenden Öl-Embargos. Am 16. Januar 2016 trat dies in Kraft, sodass der Iran erstmals großflächig Öl exportieren konnte. So kam es, dass das Rohöl-Barrel WTI von ehemals über 100 US-Dollar im Jahr 2014 auf nur etwas über 30 US-Dollar im Frühjahr 2016 fiel. Der drastische Kurssturz intensivierte sich, als andere Ölexporteure als Reaktion auf den Preisverfall ihre Fördermengen anhoben, um Verluste zu kompensieren, wodurch der Preis noch weiter absackte. Erst erneute Absprachen zwischen OPEC, den USA und Russland mussten her, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Iran-Embargo 2.0?

Nun wendet sich das Blatt wieder: In der Iran-Frage revidiert US-Präsident Donald Trump den Kurs seines Amtsvorgängers Barack Obama. Der ölreiche Iran soll erneut vom Markt gedrängt werden. Dass der gegenwärtige Ölpreis bei einem Iran-Embargo unmöglich gehalten werden kann, ist auch Trump völlig klar. Daher forderte er die ölexportierenden Länder auf, ihre Förderung anzuheben. Allerdings können Staaten wie Venezuela mit rückläufiger Ölförderung rein technisch keine Förderanhebung durchsetzen.

Egal wie man es dreht und wendet: Sollte sich US-Präsident Trump mit seiner Iran-Strategie durchsetzen und ein Öl-Embargo gegen das Land am Persischen Golf einführen, würde der Ölpreis auf weit über 100 US-Dollar pro WTI-Barrel ansteigen. Und das wäre nur der Anfang: Sollte der Iran seine Drohung wahr machen und als Reaktion die Meerenge von Hormuz abriegeln, würde nicht nur auf dem Ölmarkt Ausnahmezustand herrschen, sondern es könnte auch zu einer schwerwiegenden militärischen Konfrontation kommen.

2018-07-25T14:58:57+00:00