Free Private Cities

Free Private Cities – eine realistische Vision des Liberalismus?

Es gibt zahlreiche liberale Ideen, die eine innovative Erneuerung des althergebrachten Staatswesens anvisieren. Häufig geht es in diesen um Unternehmensfreiheit und wie eine Erhöhung derselben neue wirtschaftliche Potenziale freisetzen kann. Ein Ansatz hierfür wäre, das staatliche Korsett an gesetzlichen Regularien zu lockern. Ein anderer könnte sein, öffentliche Aufgaben in die Hände effizienter, privater Dienstleister zu legen, um so eine mögliche Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung zu erhalten. Ferner würden hieraus Synergieeffekte für die gesamte Volkswirtschaft resultieren, so die Theorie.

Die Free Private Cities Inc. traut sich in der Ideenfindung noch einen Schritt weiter: Ihr Ziel sind privat geführte Städte mit eigener Gesetzgebung. Aber wie und vor allem wo könnte eine solche gegründet werden? Ein Beispiel wäre in einer gepachteten Sonderzone in einem Gastland. Letzteres könnte ein Entwicklungsland sein, welches dadurch profitieren könnte, innovative Wirtschaftscluster im Land anzusiedeln. Diese könnten wiederum Arbeitsplätze schaffen und Zulieferindustrien entwickeln.

Es ist eine modifizierte Form bislang bekannter Sonderwirtschaftszonen. Diese locken traditionell mit günstigen Rahmenbedingungen für Investoren: Sonderrechte, verstärkte Rechtssicherheit, teilweiser Freihandel und günstige Steuern. Bekanntestes Beispiel sind wahrscheinlich die mittlerweile hochindustrialisierten Sonderzonen an der ostchinesischen Küste. Aber auch Casino-Hochburgen wie Macau und Las Vegas entstanden letztlich als Inseln inmitten restriktiver Glücksspiel-Gesetze der jeweiligen Zentralstaaten.

Korporatismus statt Paternalismus

Auf der Basis von Sonderwirtschaftszonen planen auch die Denker von Free Private Cities. Nur sollen die Privatstädte hier komplett eigene administrative Befugnisse erhalten! Die juristische Grundlage dafür bildet dabei ein Vertrag zwischen der Stadt und einem interessierten Unternehmen. Für die Garantie der Rechtssicherheit und Unternehmensfreiheit, sowie der Bereitstellung öffentlicher Dienste fällt eine jährliche Beitragszahlung an. Und das wars – keine Steuern und keine politische Einmischung in Firmen-Interna, solange nicht gegen den Vertrag verstoßen wird, wie zum Beispiel durch die Unterstützung von Terrorismus.

Die Free Private City steht demnach nicht als Dach über den Unternehmen, sondern als deren Nährboden, auf dem sich innovative Firmen frei entfalten können. Dieser Idee liegt unter anderem das Buch „Freie Privatstädte“ von Unternehmensgründer Titus Gebel zugrunde. Darin werden auch ethische Fragen beleuchtet, wie beispielsweise die nach dem kategorischen Imperativ: Wenn jedes Unternehmen möglichst uneingeschränkt handeln soll – wie wird abgesichert, dass kein Unrecht zwischen Konkurrenten auftritt? Auch solche Details gehören zum Gesamtkonzept von Privatstädten.

Schlussendlich zeigt die Blaupause dieser Idee einen völlig neuen Ansatz für unternehmerische Innovation. Eine Welt von und für geistreiche Geschäftsleute, frei von politischem Paternalismus, also staatlicher Firmen-Bevormundung. An dessen Stelle könnte dann ein frei fließender Korporatismus treten, wo die wirtschaftliche Entwicklung ungehemmt voranschreiten kann.

2018-05-16T17:51:01+00:00